Abstinenzbedürfnis bei einer MPU wegen Alkohol

Konsequenter Verzicht auf jeden Konsum von Alkohol ist auf alle Fälle dann erforderlich, wenn eine klinische Diagnose vorliegt, dass es sich um Alkoholabhängigkeit handelt. Jedoch auch ohne Vorliegen einer solchen Diagnose kann laut Herrn Prof. Dr. E. Stephan eine strikte Abstinenznotwendigkeit erwartet werden. Dies ist zum Beispiel dann der Fall, wenn bei Betroffenen keine zuverlässige Kontrolle der Konsummengen und Konsumsituationen zugetraut werden kann.

Insbesondere von Bedeutung ist für die Beurteilung:

  • der persönliche Konsumverlauf den der Mensch erlebt hat, im betreffenden Lebensabschnitt sowie die daraus entstandene hohe Gewöhnung an Alkohol
  • Gewohnheiten welche sich im Laufe der Jahre beziehungsweise manchmal im Lauf von Jahrzehnten im Umgang mit Alkoholmengen und Konsumhäufigkeiten entwickelt haben
  • der Verlust physischer Sensibilität im Umgang mit Alkohol als Warnhinweis
  • sowie die Verharmlosung, die Verdrängung und das nicht eingestehen der gravierenden, negativen Folgen des übermäßigen Alkoholkonsums.

Schon bei Verkehrsdelikten mit einem Promille – Gehalt von 1,1 kann in Einzelfällen bereits Alkohol – Abstinenz erforderlich sein – zum Beispiel dann, wenn keine Steuerfähigkeit im ausreichenden Maße beim Umgang  mit Alkohol vorhanden ist. Nur eine tiefgründige und fundierte Auseinandersetzung mit der persönlichen Alkoholgeschichte kann dann zu einer günstigen Prognose führen. Wenn dies erledigt ist, dann stehen allerdings die Chancen relativ gut, dass der Abstinenz – Forderung das kontrollierte Trinken in Zukunft möglich ist.

Im Rahmen dieser Auseinandersetzung werden sehr viele Faktoren besprochen und hinterfragt. Anfangs wird die zeitliche Abfolge der Konsumentwicklung über diese Lebensspanne erarbeitet. Danach werden Konsum – Gründe sowie die für Steigerungen oder Reduzierungen der Konsummengen Ausschlag gebenden, selbst erlebten Ereignisse im Leben des Betroffenen analysiert.  Es wird untersucht ob diese in Zusammenhang gebracht werden können. Anschließend werden Konsumvor- und -nachteile besprochen ebenso wird geklärt, wieso trotz erlebter Nachteile weiter konsumiert wurde. Zum Schluss werden Kompetenzen und Strategien entwickelt, um Rückfälle zu vermeiden bzw. werden Argumente gesucht, dass alte Verhaltensmuster sich wieder einschleichen könnten.

Für weitere Informationen zum Thema Medizinisch-Psychologische Untersuchung – MPU :

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